Was man lernt, wenn man 130 Millionen Tracks verwaltet -- und wie es beim Aufbau eines Musikgeschäfts hilft
"Jeder, der Musik wirklich versteht, würde sich nie darauf einlassen, wenn er von Anfang an wüsste, worauf es hinausläuft." Con Raso, CEO von Tuned Global, hat eine Plattform aufgebaut, die über 130 Millionen Tracks mit Major-Label-Lizenzen weltweit verwaltet. Seine wichtigsten Erkenntnisse haben nichts mit Skalierung zu tun -- sie betreffen die Art, wie man denkt.
Testen, bevor man pitcht
Con's erster Proof of Concept war das Streaming von Musik auf einem BlackBerry. Diese Demo brachte konservative Major Labels dazu, ihre Kataloge zu teilen. Heute spricht er offen darüber, was er von der anderen Seite des Tisches sieht:
Die meisten Gründer können nicht klar erklären, wer ihre Kunden sind, oder beweisen, dass diese Kunden auch zahlen werden. Sie verlieben sich in die Idee, statt sie zu testen.
Sein Ansatz: Geh mit deinem Prototyp auf die Straße. Genau das hat er mit einem großen Rechteinhaber gemacht. "Wir haben keinen Wow-Moment bekommen. Was müssen wir ändern, um einen Wow-Moment zu bekommen?" Sie haben angepasst, sind am nächsten Tag wieder rausgegangen, und die Reaktion war eine völlig andere.
"Wenn du eine starke Bewertung willst, gilt: Je mehr Daten dein Vorhaben stützen, desto stärker wird deine Bewertung sein."
Lass dich nicht von Leidenschaft blenden
Gründer, die "Music first" denken, neigen dazu, das zu bauen, was sie lieben -- statt das, was der Markt braucht. Sie sträuben sich gegen Pivots. Sie unterschätzen die Komplexität der Lizenzierung.
"Verlieb dich nicht in deine Idee, denn möglicherweise musst du pivotieren. Sei sehr konkret bei dem Problem, das du lösen willst."
Con weist auch auf eine praktische Lücke hin: Vielen Gründern im Musikbereich fehlen betriebswirtschaftliche Fähigkeiten. Technische Brillanz und Leidenschaft für die Branche reichen ohne finanzielle Disziplin nicht aus.
Der nicht-traditionelle Anwendungsfall
Tuned Global wurde nicht erfolgreich, indem sie eine weitere Streaming-App gebaut haben. Sie liefern den gesamten Technologie-Stack für Unternehmen, die Musik anbieten wollen -- von Telekommunikationsanbietern in Kasachstan über Kinder-Hörbuchplattformen in Deutschland bis hin zu medizinischen Wellness-Anwendungen.
Die größten Chancen in der Musiktechnologie liegen oft darin, Anwendungsfälle zu bedienen, an die sonst niemand denkt. Nicht noch ein Verbraucherprodukt. Sondern die Infrastruktur dahinter.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Testen vor dem Pitch. Echte Nutzerdaten schlagen Bauchgefühl bei der Kapitalbeschaffung.
- Leidenschaft für Musik kann das geschäftliche Urteilsvermögen trüben. Sei bereit zu pivotieren und mit Daten zu belegen.
- Die größten Chancen in der Musiktechnologie liegen in nicht-traditionellen Anwendungsfällen -- nicht in einer weiteren Streaming-App.
*Quelle: Podcast, Episode 27 -- Con Raso (Tuned Global)*
