Das Diversitätsproblem der Musikindustrie (in Zahlen)
Etwa 40 % der Top-Künstler sind Schwarz. Südasiatische Künstler füllen die O2 Arena an mehreren Abenden. K-Pop dominiert die globalen Charts. Von außen betrachtet wirkt Musik wie eine der vielfältigsten Branchen der Welt.
Sania Haq hat 12 Jahre damit verbracht zu beweisen, dass dieser Eindruck falsch ist.
Die Zahlen
Neun von zehn Schwarzen Musikschaffenden sagen, dass sie mit zusätzlichen Hürden beim beruflichen Aufstieg konfrontiert sind. Frauen steigen zu gleichen Anteilen in die Branche ein, verschwinden aber aus den Führungspositionen. Südasiatische Musiker in Großbritannien -- 9 % der Bevölkerung -- besetzen nur 6 % der Jobs in der Musikindustrie. Diejenigen, die von diverser Musik profitieren, sind selbst überwiegend nicht divers.
Die Barrieren sind strukturell. Marginalisierte Communities fehlen die Kontakte zu Branchenrollen. Sie können sich das finanzielle Risiko unsicherer Einkommen nicht leisten. Ihre Eltern, viele mit Migrationshintergrund, haben sie aus gutem Grund in Richtung stabiler Karrieren gedrängt -- die Branche war nicht dafür gebaut, sie zu unterstützen.
Das wirtschaftliche Argument
Das ist nicht nur ein moralisches Argument. Es ist eine Marktchance.
Indien wird zu einem der wichtigsten Musikmärkte. Hindi gehört zu den meistgestreamten Sprachen weltweit. Subsahara-Afrika wächst schneller als jede andere Region. Saudi-Arabien hat sich von einem Markt, den niemand verstand, zu einem der interessantesten der Welt entwickelt.
„Die Branche beginnt zu erkennen, dass es Wachstumschancen gibt. Streaming braucht mehr Abonnenten. Das bedeutet mehr Märkte."
Diljit Dosanjh beim Coachella, Arjit Singh, der britische Stadien füllt, K-Pops globale Übernahme -- das sind keine Ausnahmen. Das sind Marktsignale, die zeigen, wohin das Geld fließt.
Was du tun kannst
Wenn du Gründer bist: Die unterversorgten Communities sind unterversorgte Kunden. Fan-Engagement-Plattformen für diese Communities. Research-Tools für globale Konsummuster. Artist Development für Märkte, die Labels bisher ignoriert haben. Die Chancen sind enorm.
Wenn du ein Studio betreibst: Studios in diversen Vierteln haben einen ungenutzten Vorteil. Künstler aus Communities, die historisch von traditionellen Studio-Netzwerken ausgeschlossen waren, brauchen ebenfalls Räume. Dein Studio auffindbar zu machen, ist der erste Schritt.
Wenn du Künstler bist: Der globale Markt belohnt Authentizität. Die Künstler, die durchbrechen, passen sich nicht an -- sie bringen ihren Sound und ihre Kultur zu einem neuen Publikum.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Diversität ist eine wirtschaftliche Chance, nicht nur eine moralische. Die am schnellsten wachsenden Märkte liegen in Indien, Afrika und dem Nahen Osten.
- Schau auf die Pipeline, nicht nur auf die Künstler. Repräsentation auf der Bühne bedeutet nichts, wenn die Entscheidungspositionen homogen besetzt sind.
- Unterversorgte Hörer sind unterversorgte Kunden. Jede Community, die vom Mainstream ignoriert wird, ist ein Markt, der auf das richtige Produkt wartet.
