Die europäische Music-Tech-Szene, über die niemand spricht

Die meisten Music-Tech-Gründer in Europa bauen isoliert. Sie wissen nicht, wer ihre Wettbewerber sind, wer potenzielle Partner wären oder welcher Investor ihren Pitch tatsächlich verstehen könnte. Matthias Strobel arbeitet seit fast einem Jahrzehnt daran, das zu ändern.

Seine Botschaft: Die Technologie ist nicht das Schwierige. Das Netzwerk ist es.

Die unsichtbare Branche

Music Tech Germany zählt rund 40 Mitglieder. Die tatsächliche Zahl ist doppelt so hoch -- Gründer in Kellern, die noch nie ein Meetup besucht haben. Norwegen und Dänemark zusammen haben vielleicht 15-20 Music-Tech-Startups. Matthias hat erlebt, wie Startups nahezu identische Produkte parallel entwickelten, ohne voneinander zu wissen.

Das Problem ist nicht Talent. Es ist Infrastruktur. Keine eigenen Music-Tech-Acceleratoren in den meisten europäischen Ländern. Kein Investorennetzwerk, das auf diesen Bereich spezialisiert ist. Die Europäische Kommission fördert Games und Film großzügig -- Music Tech bekommt Krümel.

„Die Unternehmen außerhalb dieses Netzwerks haben es deutlich schwerer, Zugang zu Ressourcen zu bekommen und von möglichen Wettbewerbern zu erfahren, die eigentlich Kooperationspartner sein könnten."

Ein People Business im Tech-Gewand

Music Tech sieht aus wie ein Technologiegeschäft, funktioniert aber als People Business. Wer ein Produkt baut, das den Workflow eines Labels optimieren könnte, braucht trotzdem jemanden, der die Tür öffnet. Eine Kaltakquise-Mail mit Demo-Link führt nicht zum Meeting.

Deshalb ist Community so wichtig. Die Meetups von Music Tech Germany ziehen 200 Leute an. Die Hälfte sagt, es sei der einzige Ort, an dem sie Gleichgesinnte treffen. Elf Länder haben inzwischen ähnliche Strukturen und bilden gemeinsam Music Tech Europe.

Der Haken: Fast alles davon ist ehrenamtlich organisiert. Es gibt kein Finanzierungsmodell für die Meta-Ebene, die Music-Tech-Unternehmen untereinander und mit Kapitalgebern verbindet.

Was das für dich bedeutet

Großartig zu sein reicht nicht, wenn niemand weiß, dass es dich gibt. Das gilt für Music-Tech-Startups. Es gilt für Studios. Es gilt für Artists.

Die gleiche Logik, die Matthias auf Gründer anwendet, gilt für alle im Ökosystem: Vernetze dich mit Gleichgesinnten, sei dort präsent, wo deine Kunden sind, und mach dich auffindbar. Community potenziert sich. Isolation bremst aus.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Community potenziert sich. Gründer und Studios, die sich vernetzen, wachsen schneller als jene, die allein bauen.
  • Die Musikbranche lebt von Beziehungen. Selbst das beste Produkt braucht eine persönliche Empfehlung.
  • Europas Music-Tech-Szene ist unterfinanziert, aber nicht unterbesetzt. Die Lücke liegt in der Infrastruktur, nicht bei den Ideen.